Nachteilausgleiche

Wenn wir eine einfache Suche nach “ Nachteilausgleiche – beantragen – fu berlin“ im Internet stellen, werden wir zu dieser Webseite der „Diversität und Lehre“ weitergeleitet. Sie ist aber eher an die Lehrenden und die Verwaltungen gerichtet als an die Studierenden:

„Nachteilsausgleiche

Nachteilsausgleiche dienen dazu, Studentinnen und Studenten, die einer besonderen Belastung ausgesetzt sind, eine gleichberechtigte Teilhabe am Studium zu ermöglichen.

Studentinnen und Studenten mit besonderen Herausforderungen können an ihre persönliche Situation angepasste Studien- und Prüfungsbedingungen beantragen. Grundlage ist das Berliner Hochschulgesetz (BerlHG). Danach sind die staatlichen Berliner Hochschulen verpflichtet, Studentinnen und Studenten mit besonderen Herausforderungen einen so genannten Nachteilsausgleich im Studien- und Prüfungsverlauf zu gewähren. Dieser ist keine Bevorzugung, sondern ein Rechtsanspruch und Beitrag zur Integration und Chancengleichheit.

Zu beachten ist, dass an der Freien Universität Berlin die Details des Nachteilsausgleichs der angepassten Studien- und Prüfungsbedingungen nicht (wie früher) in den einzelnen Prüfungsordnungen geregelt werden (mit Ausnahme der Staatsprüfungen). Maßgeblich ist ansonsten stets § 7 der Satzung für Allgemeine Prüfungsangelegenheiten (SfAP) , wobei die Regelung per Rahmenprüfungsordung nunmehr auch § 31 Abs 3 Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) ausdrücklich vorschreibt.

Die Aufsicht und Entscheidung über den Nachteilsausgleich im Prüfungsverfahren obliegt in den meisten Fällen dem Prüfungsausschuss des Haupt- bzw. Kernfaches. Über Studienleistungen entscheiden in der Regel die Dozentinnen und Dozenten und/oder die Dekanin oder der Dekan.

Es empfiehlt sich stets, sich mit den betreffenden Studentinnen und Studenten detailliert zu besprechen, wie den Nachteilen, die sich aus der besonderen Studiensituation ergeben, begegnet werden kann. Sie sollten die Vereinbarungen schriftlich festgelegen, so vermeiden Sie Missverständnisse. Empfehlen Sie den Studentinnen und Studenten, sich zur weiteren Klärung der Nachteilsausgleiche mit dem jeweiligen Studienbüro in Verbindung zu setzen.

Erst die offizielle Genehmigung schafft für alle Beteiligten (Dozentinnen und Dozenten sowie Studentinnen und Studenten) Rechtssicherheit. Allerdings erweist sich in der Praxis die Abgrenzung zwischen Studien- und Prüfungsleistungen als schwierig: Da in den BA-/MA-Studiengängen sämtliche Studienleistungen auch Prüfungsleistungen sind, müsste offiziell jede Ausnahmeregelung vom Prüfungsausschuss genehmigt werden. Wir empfehlen Studierenden mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen sich hinsichtlich der offiziellen Regelungsverfahren an die Beauftragten für behinderte Studierende zu wenden. Studierende mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen wenden sich bitte an das Familienbüro oder an das Prüfungsbüro des Fachbereichs. Dort wird Ihnen bzw. den betreffenden Studentinnen und Studenten erläutert, welche Nachteilsausgleiche im konkreten Fall in Frage kommen oder welche Inhalte ärztliche Atteste enthalten müssen. Oder es wird ein Vorschlag bzw. eine Empfehlung für den Nachteilsausgleich erarbeitet, der auch an den Prüfungsausschuss weitergeleitet werden kann.

Beispiele für Nachteilsausgleiche

  • Zulassung technischer Hilfsmittel für blinde und hörbehinderte Studentinnen und Studenten;
  • Zeit- und/oder Fristverlängerungen bei Studien- und Prüfungsleistungen;
  • angepasste Praktikumsbedingungen;
  • Verlegung von Lehrveranstaltungen in barrierefreie Räume;
  • Prüfungsmodifikationen;
  • Zeitzugaben;
  • zeitliches Unterbrechen (Splitten) einer Prüfung;
  • Umwandlung einer mündlichen in eine schriftliche Prüfung und umgekehrt.

 

Für Beratung und Hinweise beim Erstellen dieser Empfehlungen danken wir Herrn Classen (Beauftragter der Freien Universität Berlin für behinderte Studierende) sowie Peter Dietrich (IG behinderter Studierender an der Freien Universität Berlin). “


Umfangreiche Broschüre vom Herr Classen:

Von Herrn Classen, dem Ansprechpartner / Berater der Universität für die Studierenden, wurde eine umfangreiche Broschüre entworfen, die Sie im PDF-Format abrufen können:


Mangelnde genaue und konkrete Auskünfte von Seite der Verwaltung

Was leider auch festzustellen ist, ist dass die allgemeinen Fragen und Informationen über die Beantragung von Nachteilausgleichen nicht auf der Seite der Fachbereiche hochgeladen werden . Für weitere Details siehe „Fachbereiche“.
Diese mangelnden Bekanntmachungen von Fristen, benötigten Unterlagen und Formblättern / Musteranträgen führen alltäglich zu Hürden und/oder Willkür in der Behandlung von betroffenen Studierenden.
Die Studierenden wissen oft nicht, wer  zuständig ist: Studienbüro? Prüfungsbüro?, Dozierende?, Gutachter?, Prüfungsausschuss? Herr Classen ?
Oft kommen Studierende zur Beratung, weil die Frist für die Beantragung von Nachteilsausgleichen beim Prüfungsbüro (z.B. für die Bachelorarbeit) von Studierenden nicht eingehalten wurde oder nicht die benötigten Unterlagen eingereicht wurden, obwohl diese allgemeinen Informationen nirgendwo explizit und schriftlich kommuniziert wurden. Die Verwaltung stellt betroffene Studierende vor vollendete Tatsachen. Die Person trägt allein die zeitlichen, finanziellen, energetischen Folgen der mangelnden Informationen. Prüfungen müssen zum Beispiel unnötig wiederholt werden, Studierende werden exmatrikuliert, die Aufrichtigkeit der Studierenden wird angezweifelt oder sogar klar diskriminiert. Ein Widerspruch bedeutet zudem oft hohe Prozesskosten.
Diese Undurchsichtigkeit der allgemeinen Informationen zu Anträgen und Verfahren führt zu Ausschlussmechanismen im studentischen Raum. Der Betroffene Studierende muss sich bei allen Nachfragen als „Behindert“ oder „Krank“ oder „Pathologisch“ „outen“ und sich als „hilflos“ und „verwirrt“ darstellen.
Der Studierende steht einfach mittellos gegenüber einer „Normalität“, die ihn nicht in den Studienalltag einschliesst, ins Abseits drängt  und somit zur ersten Barriere der Teilhabe im Studium wird. Diese Realität könnte aber sehr einfach und systematisch bewältigt werden, indem die verschiedene Akteure der  Universität (Studien- und Prüfungsbüros, Bibliotheken und Lehrkräfte) diese wichtigen Informationen für alle zugänglich machen.

Häufig gestellte Fragen:

Was ist mit „Nachteilausgleich“ gemeint?

Was kann Nachteilausgleiche konkret sein?

Gibt es standardisierte Nachteilausgleiche?

Wer ist zustaendig?

Wie können Nachteilausgleiche beantragt oder anerkannt werden?

Gibt es ein Formblätter?

Wie schreibe ich den formlosen Antrag?

Bin ich verpflichtet, ein fachärtzliches Attest vorzuweisen oder reicht es aus, eine einfache Krankschreibung vorzulegen ?

Welche Informationen soll das Attest beinhalten?

Wer von der Verwaltung wird intime Details meines gesundheitliches Alltags erfahren?

Wer darf über meinen gesundheitlichen Zustand innerhalb der Uni kommunizieren?

Wird die Nutzung von Nachteilsausgleichen auf offiziellen Unterlagen, Zeugnissen und meinem Diplom vermerkt?

Falls meine besonderen gesundheitlichen Bedürfnisse im Studium nicht vom Lehrkörper, Studienbüro, Prüfungsbüro ernst genommen oder berücksichtigt werden, wie soll ich vorgehen?

Wieso sind die Nachteilsausgleiche nicht einfach als alternative Formen der Leistungserbringung in der Studien- und Prüfungsordnung vorgesehen, anstatt eine Abgrenzung der „Normalität“ darzustellen ?

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.