Studienvorbereitung

Wahl des Studienorts: Auswahlrechte der Hochschulen beachten

Hochschul- und Studiengangprofile

Hochschulen profilieren sich durch Schwerpunktsetzungen bei der Ausgestaltung von Studiengängen, durch internationale und regionale Vernetzung und die Stärkung von Forschungsschwerpunkten. Der Prozess der Profilierung ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass es z. B. auch bei „Massenfächern“ wie Betriebswirtschaftslehre oder Biologie große Unterschiede machen kann, an welcher Hochschule man studiert. Die Unterschiede beziehen sich dabei sowohl auf Studieninhalte und Schwerpunktthemen, als auch auf die Studienstruktur (wie die Bedeutung von Praktika, Projekten, Auslandsaufenthalten etc.). Dies hat zur Folge, dass ein Hochschulwechsel schwieriger geworden ist und der Wahl des Studienorts eine wesentlich größere Bedeutung zukommt als früher. Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten sollten diesen Aspekt bei der Wahl und Entscheidung für einen Studiengang besonders berücksichtigen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden.
> WEITERLESEN: www.hochschulkompass.de und www.studienwahl.de – Recherche der Studienfächer nach Hochschulen

Auswahlkriterien der Hochschulen kennen – Bewerbung vorbereiten

Die Hochschulen nehmen durch Festlegung von ergänzenden Zugangskriterien verstärkt Einfluss auf die Auswahl zukünftiger Studierender. Neben den Abiturnoten können z. B. Ergebnisse von Auswahlgesprächen und Tests sowie Vor- und Zusatzqualifikationen eine
Rolle spielen. Bewerber und Bewerberinnen sollten deshalb ihre Motivation für Studienfach und Studienort überzeugend begründen können. Im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Selbstauswahlrechts der Hochschulen besteht die Gefahr, dass die jeweiligen Hochschulregelungen die notwendigen Nachteilsausgleiche für behinderte und chronisch kranke Studienbewerber und ‐bewerberinnen nicht immer ausreichend und umfassend sicherstellen. Sollten Qualifikationen vorausgesetzt oder chancensteigernd gewertet werden, die Bewerber und Bewerberinnen aufgrund ihrer Behinderungen und chronischen Krankheiten nicht erfüllen können, sollten sich Studieninteressierte bei dem oder der Behindertenbeauftragten der Hochschule über mögliche Nachteilsausgleiche informieren.

Verhältnisse am Studienort prüfen

Studieninteressierte sollten sich eine möglichst genaue Kenntnis über die Verhältnisse an Hochschule und Studienort verschaffen. Individuell können dabei unterschiedliche Aspekte, wie z. B. Fragen des Wohnens, der Mobilität oder der medizinischen Versorgung im Vordergrund stehen. Die Zugänglichkeit und die Ausstattung der Hochschule
selbst sollten geprüft werden.
Auskunft über den Stand der Barrierefreiheit an der Hochschule und in der betreffenden Stadt geben die an einer Reihe von Orten vorhandenen Informationsschriften der Studentenwerke, Hochschulen u. a., die auf den betreffenden Internetseiten der Hochschulen zu finden sind. Auch Stadtführer für behinderte Menschen, die in verschiedenen Hochschulorten bei den Stadtverwaltungen erhältlich sind, können Interessierten bei der Prüfung der örtlichen Verhältnisse nützlich sein.

Beratungsangebote vor Ort nutzen

Studieninteressierte sollten unbedingt die Beratungsangebote vor Ort nutzen, insbesondere die der Beauftragten für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten der Hochschulen und der Fachberatungsstellen der örtlichen Studentenwerke. Informationen aus erster Hand gibt es außerdem bei den studentischen Interessenvertretungen behinderter und nichtbehinderter Studierender, die an einer Vielzahl von Hochschulen existieren.
> TIPP: Die Kosten für eine Besichtigung des künftigen Studienortes können u. U. im Rahmen der Eingliederungshilfe vom überörtlichen Träger der Sozialhilfe erstattet werden.

Frühzeitig mit der Planung beginnen

Studieninteressierte mit Behinderungen und chronischen Krankheiten sollten mindestens ein Jahr — bei hohem und/oder komplexem Unterstützungsbedarf besser zwei Jahre — vor dem geplanten Studienbeginn mit den Vorbereitungen beginnen. Der
nachfolgende Ablaufplan dient der Orientierung und muss den jeweils individuellen Erfordernissen angepasst werden.

Zeitplan zur Studienvorbereitung

Vor der Entscheidung für ein Studium

  • Informationsrecherche zu: Berufsfeld sowie zu den bevorzugten Studienrichtung/en

Vor der Bewerbung für einen Studienplatz

  • Klärung von Fragen zu: Studienorganisation, Zulassungsmodalitäten, Zulassungsfristen und zu möglichen „Sonderanträgen“, z. B. durch:
    – Gespräch mit der Zentralen Studienberatung der favorisierten Hochschule bzw.
    – Gespräch mit der Studienfachberatung der favorisierten Hochschule
  • Klärung von Fragen zu: Nachteilsausgleichen im Studium und bei der Zulassung, zur Zugänglichkeit der Hochschule und zu Unterstützungsmöglichkeiten für Studierende mit Beeinträchtigungen insbesondere durch:
    – Gespräch mit dem/der Behindertenbeauftragten der Hochschule bzw. des örtlichen Studentenwerks
  • Klärung von Lebensbedingungen am Hochschulort z. B. zu: Wohnen, Assistenz/Pflege, Mobilität, ärztliche Versorgung durch:
    – Prüfung vor Ort
    – Gespräch mit dem/der Behindertenbeauftragten bzw. dem Studentenwerk
    – Kontakt zu den Wohn- und Sozialberatungsstellen der örtlichen Studentenwerke
    – Kontaktaufnahme zu örtlichen studentischen Interessengemeinschaften/-vertretungen und zu Studierendenverbänden

Bei Bewerbung um einen Studienplatz

  •  ggf. „Sonderantrag“ zur Berücksichtigung einer Härtesituation oder zur Beantragung von Nachteilsausgleichen im Zulassungsverfahren
  • ggf. Reservierung eines barrierefreien Wohnheimzimmers durch:
    – Kontaktaufnahme mit der Wohnheimverwaltung des örtlichen Studentenwerks
    Bei Studienzulassung
  • ggf. Organisation von Pflege bzw. Assistenz sowie der Mobilität
  • ggf. Organisation einer barrierefreien Wohnung
  • ggf. Beantragung von BAföG-Leistungen beim zuständigen BAföG-Amt
  • ggf. Beantragung von Leistungen zur Finanzierung behinderungsbedingter Mehrbedarfe

Quelle:

Publikation
Studium und Behinderung – Informationen für Studierende und Studieninteressierte mit
Behinderungen und chronischen Krankheiten

Publikation – auch in barrierefreier Fassung – unter
www.studentenwerke.de/behinderung.
Die Publikation wird kostenfrei an Interessierte versendet.