Ersatzleistungen bei Abwesenheit

FRAGE:

Ich besuche ein anwesenheitspflichtige Veranstaltung (z. B. Seminar).

Zur Zeit bin ich wegen gesundheitlichen Gründe von der Sitzung abwesend, weshalb ich bei Ihr angefragt habe, ob ich mich zuhause ausruhen dürfe, ohne dann für das Fehlen eine weitere Ersatzleistung anfertigen zu müssen. Dies wurde von Ihr mit den Worten „für alle gelten die gleichen Voraussetzungen“ verneint, obwohl ich anbei ein Attest mitgeschickt hatte.

Hierfür lässt Sie mich Ersatzleistungen für alle Termine schreiben, die ich außerhalb der erlaubten 3 Fehltermine nicht da sein werde.

Ist die Dozentin in diesem Fall im Recht, mich in einem Krankheitsfall dazu zu zwingen weitere Ersatzleistungen zu erbringen?

ANTWORT:

Auch wenn deine Erkrankung akut und nicht chronisch ist, soll die Universität dir Nachteilausgleiche gewährleisten. Die Nachteilausgleiche sind aber in ihren Prinzipien genau definiert:

Berliner Hochschulgesetz

§ 4 Aufgaben der Hochschulen

[…]

(7) 1Die Hochschulen berücksichtigen die besonderen Bedürfnisse von Studenten und Studentinnen sowie von Studienbewerbern und Studienbewerberinnen mit Behinderung und treffen in allen Bereichen die erforderlichen Maßnahmen zu ihrer Integration. 2Für die Durchführung des Studiums und der Prüfung sind geeignete Maßnahmen zu treffen, die unter Wahrung der Gleichwertigkeit einen Nachteilsausgleich gewährleisten.

§ 9 Rechte und Pflichten der Studenten und Studentinnen

[…]

(3) Jeder Student und jede Studentin ist verpflichtet, das Studium an den Studien- und Prüfungsordnungen zu orientieren.

§ 30 Prüfungen

(1) Prüfungen dienen der Feststellung der auf der Grundlage der jeweiligen Studien- und Prüfungsordnung zu erlangenden Kompetenzen.
Rahmenstudien- und -prüfungsordnung der Freien Universität Berlin
§ 11 Leistungen bei Behinderungen, gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie bei familiären Belastungen

(1) Macht eine Studentin oder ein Student durch ein ärztliches Zeugnis glaubhaft, dass sie oder er wegen Behinderungen im Sinne von § 2 Abs. 1 SGB IX oder wegen länger andauernden oder ständigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht in der Lage ist, eine Leistung ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form oder innerhalb der vorgesehenen Zeit abzulegen, hat die oder der Vorsitzende des Prüfungsausschusses der Studentin oder dem Studenten zu gestatten, gleichwertige Leistungen in einer anderen Form, zu einem anderen Prüfungszeitpunkt oder in einer verlängerten Bearbeitungszeit zu erbringen.

(2) Soweit die Erbringung von Leistungen, die Wiederholung von Leistungen, die Gründe für das Versäumnis von Leistungen und die Einhaltung von Bearbeitungszeiten für Leistungen betroffen sind, stehen der Krankheit der Studentin oder des Studenten die Krankheit einer oder eines nahen Angehörigen gemäß § 7 Abs. 3 Pflegezeitgesetz und die dazu notwendige alleinige Betreuung gleich. Gleiches gilt angelehnt an die Regelungen in §§ 3, 6 Mutterschutzgesetz für Schwangere und Wöchnerinnen.

Die Nachteilausgleiche dürfen also keine „Privilegien“ werden, sondern nur die Beeinträchtigungen deiner Krankheit ausgleichen. Du kannst im Moment nicht wegen Krankheit studieren und nicht an der Sitzung teilnehmen. Du bist aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, die Leistungen ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form oder innerhalb der vorgesehenen Zeit abzulegen. Du hast es mit dem ärtzlichen Attest glaubhaft gemacht. Du darfst für deine Abwesenheit oder deine Verspätung in der Leistungserbringung nicht benachteiligt werden.

Dagegen bist du nicht vom Seminar befreit. Wenn du dieses Seminar erfolgreich bestehen willst, bist du gesetzlich verpflichtet, dich weiterhin an den Studien- und Prüfungsordnungen zu orientieren. Du sollst trotzdem die Leistungen erbringen und die auf der Grundlage der jeweiligen Studien- und Prüfungsordnungen zu erlangenden Kompetenzen beweisen. Die Dozentin ist laut Rahmenstudien- und -prüfungsordnung berechtigt, von dir eine gleichwertige Leistung in einer anderen Form, zu einem anderen Prüfungszeitpunkt oder in einer verlängerten Bearbeitungszeit zu verlangen. Sie ist verpflichtet, unter Wahrung der Gleichwertigkeit einen Nachteilsausgleich zu gewährleisten.

Ich stimme also der Antwort der Dozentin zu. Außerhalb der erlaubten 3 Fehltermine, ist es schon üblich eine Ersatzleistung für alle Termine zu verlangen, um die aktive Teilnahme in der Sitzung auszugleichen. Die Ersatzleistung muss aber mit deiner gesundheitliche Bedürfnissen kompatibel sein.

Eine Erstazleistung kann z. B. :

  • Exzerpt oder Abstract von den für die Sitzung zu lesenden Text
  • Das Verfassen eines Textes, der die Problematik der Sitzung beantwortet
  • Übungen, die die zu während der Sitzung erlangenden Kompetenzen beweisen
  • Vortrag
  • ….

Falls die Aufgaben, dir übertrieben im Vergleich zu den ursprüngliche Leistungen oder im Vergleich zu der Prüfungsordnung erscheinen, kann vielleicht der Prüfungsauschuss angefragt werden und bei deinem Fall Schiedsrichter sein.

Selbstverständlich ist es frustrierend, zusätzlich zu der ungeplante Erkrankung und Verzögerung des Studiums, weitere Leistungen anzufertigen, aber es bleibt gerechtfertigt, um deine Fortschritte in deinem Studium festzustellen und dir die Möglichkeit zu geben, trotz allem nicht das ganze Seminar zu wiederholen bzw. in der Regelstudienzeit dein Studium abzuschliessen.

Falls du es brauchst und/oder um dich aus dem zu hohen Zeitdruck zu befreien, gibt es gesetzlich anerkannte Begründungen, um z. B. das Bafög über die Regelstudienzeit zu verlängern. Dafür würde ich dir empfehlen, unsere Bafög-Beratung so früh wie möglich zu besuchen, um dich über deine Möglichkeiten zu erkundigen