Archiv für den Monat: September 2014

22.09 – 23.09.2014, Universität Leipzig: Inklusive Hochschule Nationale und internationale Perspektiven

http://www.konferenz-inklusive-hochschule.de/index.php/de/

http://www.konferenz-inklusive-hochschule.de/images/IHE_Programm_fin_Dt.pdf

Zur Situation beeinträchtigter Studierender

Studierenden muss eine faire Chance auf einen erfolgreichen Studienabschluss von den Universitäten und Hochschulen eingeräumt werden. Doch rund 8 % aller Studierenden in Deutschland fühlen sich im Studium durch ihre Behinderung, ihre chronische Erkrankung oder aufgrund psychischer Probleme beeinträchtigt. Auch wenn mit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Jahr 2006 ein rechtlich verbindlicher Rahmen geschaffen wurde, der die Teilhabe an Bildungsprozessen für alle Menschen zur gesellschaftlichen Aufgabe erklärt, sind Studierende mit Beeinträchtigung im inklusiven Bildungsraums der Hochschule unterrepräsentiert.

Für die Realisierung von chancengerechter Teilhabe durch die Gestaltung einer barrierefreien Umwelt bedarf es neben rechtlicher Versicherung auch wissenschaftliche Konzeptionen, die auf einer fundierten Forschung beruhen. Während sich der rechtliche Rahmen durch die UN-BRK, als auch durch nationale gesetzliche Regelungen (beispielsweise für Deutschland: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), Gleichstellungsgesetze auf Landesebene, EU-Richtlinien) in den letzten Jahren in Richtung einer inklusiven Hochschule entwickelt, bleiben Forschung und Umsetzung hinter den rechtlichen Veränderungen zurück. Daher besteht Handlungsbedarf, wenn es darum geht, Anforderungen, Bedingungen und Handlungsrahmen für die Gesellschaft und Politik, für die Universitäten und Hochschulen als auch allen Personen in diesen Einrichtungen sowie die Situation von behinderten und chronisch kranken Studierenden[1]zu analysieren und in einem Transfer von der Theorie zur Praxis nachhaltig zu verbessern.

Stand der Forschung

In Deutschland speisen sich Forschungsarbeiten zur inklusiven Hochschule aus verwandten Forschungsbereichen, d.i. insbesondere die Erwachsenenbildung und der Bereich von Bildungsübergängen zwischen Schule und Hochschule. Einen auf die tertiäre (Aus-)Bildungssituation ausgerichteten Forschungsbereich gibt es jedoch bisher nicht. Es ist zudem fraglich, ob Erkenntnisse aus der Inklusionsforschung für schulische Bildung auf die tertiäre Ausbildung und Hochschulbildung übertragbar sind. Vor diesem Hintergrund besteht ein Bedarf, theoriebasierte Erkenntnisse zur Inklusion an Universitäten und Hochschulen auf internationaler Ebene auszutauschen.

Empirische Befunde zur tatsächlich stattfindenden inklusiven Hochschulbildung gibt es bisher in Deutschland noch selten, jedoch hat bereits eine vielgestaltige Forschung dazu begonnen. Diese zeichnen ein erstes Bild zur besonderen Bedürfnislage von Studierenden mit Beeinträchtigung, ebenso für die Hochschulen als Institutionen und deren Mitarbeiter/innen. Die Bedürfnisse siedeln sich besonders im Bereich der Lehr- und Prüfungssituationen wie auch der Studien- und Lebensbedingungen rund um das Studium an. Auch im Bereich der empirischen Erforschung von inklusiver Hochschulbildung wird damit die Dringlichkeit einer internationalen Zusammenarbeit und des Austausches deutlich.

Um Perspektiven für die Chancengerechtigkeit aller Studierenden zu eröffnen und damit der Forderung nach „Inklusion an Hochschulen“ zu begegnen, sind interdisziplinäre Synergien zu nutzen. Politisch wie auch gesellschaftlich sind Zeichen zu setzen, die signalisieren, dass Heterogenität und Vielfalt alle angehen und nicht vor dem Universitäts- und Hochschulstudium enden.

Ziele der Konferenz

Ziel der vom 22. bis 23. September 2014 stattfindenden Konferenz ist, in einem interdisziplinären Austausch Forschungsergebnisse und Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar und zugänglich zu machen. Dazu sind die internationale Perspektiven und Erfahrungen für den wissenschaftlichen Austausch wesentlich. Die Konferenz dient als Plattform für die Etablierung und Vertiefung von nationalen und internationalen Netzwerken. Darüber hinaus sollen Impulse und Anregungen für diese Thematik geliefert werden und weitere Handlungsprozesse initiiert werden.

Dabei wird im Diskurs um inklusive Hochschulbildung eine problematische Terminologie mit ihren Besonderheiten thematisiert werden. Zudem ist danach zu fragen, welche Herausforderungen sich aus der Übertragung von Forschungsergebnissen zu Handlungsempfehlungen innerhalb dieses Forschungsfeldes ergeben. Daraus leitet sich aus unserem Verständnis ein Beitrag für die Diskussion um eine inklusive Gesellschaft ab. Es soll um Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Defizite im Bereich der Hochschulen hinsichtlich inklusiver Bildung diskutiert und sich ausgetauscht werden. Ziel ist eine wissenschaftliche interdisziplinäre Vernetzung der einzelnen Bereiche und der Austausch von internationaler Expertise zur Verbesserung der Hochschullandschaft.

Fragestellungen / Diskussionshorizonte

Eine internationale Vernetzung eröffnet einen Zugang zu bereichsspezifischen Expertisen wie auch zu Problemhorizonten und bildet damit die Basis für den Austausch von interdisziplinärem Wissen über inklusive Hochschulbildung. Willkommen sind dabei alle Fachrichtungen und Forschungsbereiche (bspw. Pädagogik, Soziologie, Psychologie, Bildungsforschung, Medizin etc.), deren Fragestellungen und Arbeitsschwerpunkte sich u.a. folgenden Aspekten des Feldes „Inklusive Hochschule“ widmen:

  • grundlagentheoretische Positionen und Professionsverständnis verschiedener pädagogischer und nicht – pädagogischer Disziplinen
  • Profession und Professionalisierung von Akteurinnen und Akteuren im Bereich „Higher Education“ und einem „Studium mit Beeinträchtigung“,
  • empirische Rekonstruktion pädagogisch-inklusiven Handelns und/oder Nicht – Handelns,
  • empirisch wie auch theoretische Forschungszugänge zu Fragen nach Personen und Institutionen im Kontext von „Studium mit Beeinträchtigung“ aus internationaler Perspektive,
  • im Zusammenhang mit Inklusion Themen „Institutionen und Macht“ sowie „Handelnde und Rahmenbedingungen im Bildungsraum Hochschule“,
  • Konzepte des Subjektes, von Diskriminierung und Ausgrenzung Biografie und Sozialisation, Raum und Gesellschaft, Bildung und Milieus, Politik und Gesellschaften als Variablen und Faktoren eines Konzepts von inklusiver Hochschule als Bildungsinstanz.

 

Auch jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern soll ein Forum gegeben werden, ihre Forschungsvorhaben und -desiderate zu präsentieren und Ergebnisse und Forschungsfragen einem breiten, internationalen Publikum zugänglich zu machen. Einen Schwerpunkt bildet auch hier die internationale und interdisziplinäre Vernetzung nicht nur der Wissenschaftler/innen sondern auch der Nachwuchsforscherinnen und -forscher, sodass perspektivisch der Bereich von „Inclusive Higher Education“ als Forschungsfeld gestärkt und für die Zukunft nachhaltig gefestigt werden kann. Im Sinne der Verstetigung und Etablierung dieses Forschungsfeldes ist ein regelmäßiges Forum für Wissenschaftlerinnen undWissenschaftler angedacht.

 


[1] Unter Studierenden fassen wir nicht nur Personen im Regelstudium, sondern auch Promotionsstudierende und Studierende des zweiten und dritten Bildungsweges.